Löwe im Gras

Inside Destination Afrika: Ein humorvoller Blick auf meine erste Reise nach Afrika

Luise blickt zurück und gibt einen humorvollen Blick auf ihre erste Reise nach Afrika mit einer gehörigen Portion Selbstironie und interessanten Erkenntnissen.

Meine erste Berührung mit dem afrikanischen Kontinent liegt nun schon über 11 Jahre zurück. Wie so viele hatte ich schon einige TV Dokumentationen verfolgt, zu “Jenseits von Afrika” geweint und mit dem Gedanken gespielt „irgendwann“
einmal eine Safari zu machen.

Wie das Leben so spielt, stand eine berufliche Veränderung an und so fand ich eine Jobanzeige bei Destination Afrika. Dann ging alles ganz schnell und da ich zuvor noch nie in Afrika war, musste sich das umgehend ändern. Ich sollte Erfahrungen sammeln und so machte Silke Nägel mit Köpfen und ich bestieg den nächsten Flieger nach Afrika…

Es begann am Flughafen in Afrika mit der Begrüßung durch den afrikanischen Tourguide. Netterweise trug er ein T-Shirt mit einer großen, warnenden Aufschrift:„Africa is not for Sissies“… damals wusste ich noch nicht, wie wahr das ist...

Mein neues „Safari-Ich“– die wundersame Verwandlung im Hotelzimmer
Das Abenteuer beginnt im Badezimmer der ersten Unterkunft, einem kleinen Gästehaus. Ich betrachte mich im Spiegel und nicke zufrieden. Ich trage das „Große Einsteiger-Paket“ einer bekannten Outdoor-Marke. Alles ist beige. Khaki.Sandfarben. Ich sehe aus wie eine Mischung aus Indiana Jones, Steve Irwin und einer wandelnden Wüstendüne. Warum? Weil man das so macht, dachte ich. Wenn der Löwe mich fressen will, soll er wenigstens meinen exquisiten Geschmack bei der Tarnung bewundern. Ich hatte den festen Blick eines Entdeckers und die Sonnenbrille eines Filmstars. Afrika, ich bin bereit für deine ungezähmte Wildnis! Bring mir die Löwen! Bring mir die Elefanten!

…und es geht los – Heia Safari!
Die erste Pirschfahrt steht an. Der staubige Jeep holt uns ab. Unser Guide Themba trägt Khaki. Ich trage Khaki. Fast alle tragen Khaki. Wir sehen aus wie eine Kolonie Erdmännchen auf Betriebsausflug. Ein paar wenige meiner Mitpirscher kommen in kurzen, blauen Shorts, Tshirts mit Aufdruck, die Damen im pastellgelben Kleid oder rosa Stoffhosen. Ich denke mir nur: „na, da hat sich ja jemand so gar nicht vorbereitet“ und platze fast vor Stolz auf mein Outfit, dass mich wie eine echte Karen Blixen aussehen lässt. Wenn die volle Montur doch nur nicht so schwer und warm wäre…
Unser Fahrzeug ist ein offener Land Cruiser. Ich sichere mir strategisch den Platz ganz vorne. Ha! Mein Motto ist mittendrin statt nur dabei. Themba, startet den Motor. Nach zehn Minuten auf der Schotterpiste verstehe ich zwei Dinge:

1.    Eine Safari ist kein Urlaub. Es ist ein Ganzkörper-Vibrationstraining.
2.    Mein beiges Outfit verliert gerade seine Unschuld an eine dicke Schicht roten Staub.

Plötzlich bremst Themba. Stille. Er zeigt ins Gebüsch. „Look, a leopard!“. Fieberhaft reiße ich mein nagelneues, teleskopgroßes Kameraobjektiv hoch, das schwer genug ist, um als Hantel zu dienen. Ich blicke durch den Sucher. Ich sehe: Blätter. Einen Ast. Mehr Blätter…
„Wo?“, flüstere ich panisch. „Direkt da, hinter dem braunen Stein“, sagt meine Sitznachbarin, die mit ihrem Smartphone (!) lässig ein Foto macht. Nach fünf Minuten Fokussieren erkenne ich ein Fleckchen Fell. Der Leopard gähnt, dreht mir den Hintern zu und schläft ein. Ein majestätisches Motiv für meine Lieben zu Hause.

Heute wollen wir sie sehen: Die „Big Five“. Löwe, Leopard, Nashorn, Büffel, Elefant. Mein innerer Sammler ist geweckt. Wir fahren stundenlang durch die Wildnis. Die Sonne brennt. Das Beige klebt. „Look!“, rufe ich plötzlich stolz und zeige auf eine Bewegung im Gras. Schon läuft der Zoom meines Monster-Objekivs…Themba stoppt. Er blickt durch sein Fernglas, seufzt leise und sagt: „That is an Impala.“
Es stellt sich heraus: Es gibt Milliarden Impalas in ganz Afrika. Sie sind die Tauben des Busches. Schön, aber nach der fünfzigsten Sichtung verliert man den Respekt. „Oh, schon wieder eine Antilope“, murmelt die Gruppe. Man wird schnell zum schrecklich verwöhnten Touristen.

Am Nachmittag dann das Highlight: Eine Löwenfamilie. Sie liegen im Schatten eines Baumes. Sie tun absolut gar nichts. Einer hebt die Pfote. Unsere 10 Kameras rattern im Dauerfeuer los, als hätte Brad Pitt gerade den roten Teppich betreten. Ich mache 150 Serienbilder von einem schlafenden Löwen. Man muss Prioritäten setzen! Ein Foto wird schon etwas werden…

Der Sundowner und das "sehr gefährliche" Tier
Der krönende Abschluss. Ein „Sundowner“ mitten in der Wildnis. Unser Guide baut einen Klapptisch auf. Es gibt Gin Tonic. Der Himmel färbt sich kitschig rot, genau wie im Film „Der König der Löwen“. Ich nippe an meinem Glas, blicke in die Ferne und fühle mich wie ein echter Entdecker. Ernest Hemingway wäre stolz auf mich.

Dann raschelt es im Gebüsch. Mein Herz rutscht in die khakifarbene Hose. Ein Löwe? Eine Hyäne? Ich klammere mich an mein Glas. Ein kleiner, pummeliger Mistkäfer rollt eine perfekte Kugel Dung über meinen Wanderschuh. Themba lacht und sagt: „musst Du aufpassen, ist sehr gefährliche Käfer“. Ich springe panisch zur Seite und Themba hat bereits Tränen in den Augen…

Die erste "richtige" Safari Lodge
Am Eingang steht ein Angestellter mit einem feuchten Handtuch auf einem Silbertablett. Ich weiß nicht, ob ich mich damit waschen oder es essen soll. Ich entscheide mich für ein dezentes Tupfen der Stirn und freue mich: Afrika ist wild, aber sauber.

Das Abendessen: Kulinarische Mutproben
Zum Dinner wartet die „Boma“. Ein Kreis aus Fackeln, in der Mitte ein riesiges Lagerfeuer. Es gibt Buffet. Der Koch preist stolz die Fleischerauswahl an: Kudu, Springbock, Krokodil und Impala. Impalas - diese grazilen, süßen Antilopen, die wir zuvor noch fotografiert haben. Ich schaue mein Steak an. Ich schaue das Foto auf meiner Kamera an. Ich entschuldige mich im Geiste und stelle fest: Impala schmeckt wie sehr gutes Rindfleisch.

Die Nacht der lebenden Toten
Das Highlight kommt beim Schlafengehen. Man darf nachts nicht ohne Guide zum Zelt gehen. Wegen der „Aktivitäten“. Ein Ranger namens Samuel eskortiert mich mit einer riesigen Taschenlampe. Er leuchtet ins Gebüsch. Zwei Augen reflektieren das Licht. „Nur eine Ginsterkatze“, sagt er beruhigend. Für mich sah es aus wie der Sensenmann.

Mein Quartier ist ein „Luxus-Zelt“. Das bedeutet: Zeltwände aus schwerer Leinwand, aber innen ein freistehendes Himmelbett, eine freistehende Badewanne und eine Minibar. Der Boden besteht aus poliertem Teakholz. Draußen brüllt ein Löwe. Oder es ist der Magen meines Nachbarn? Ich bin mir unsicher. Die Romantik verfliegt, als mir klar wird: Zwischen mir und den afrikanischen Raubtieren liegt nur ein Reißverschluss.

Meine Augen fliegen durch das Zelt auf der Suche nach etwas, dass ich vor den Eingang schieben kann, um mich gegen die tierischen Besucher zu schützen… Und dann sind da ja noch die Spinnen und das Plumpsklo mit Eimerdusche unter freiem Himmel… Doch ich bin gewappnet: Aus meinem riesigen Koffer hole ich mein extra erworbenes Pop up Moskitozelt und stelle es auf mein Bett. Daneben eine große Sprühflasche Raid. Für die Nacht weiß ich – ich traue mich nicht, nach draußen auf das offene WC zu gehen, wer weiß, was mich dann attackiert. Deshalb nehme ich meine Lady Bags mit in mein Moskitozelt, falls die Blase drückt. Was für eine tolle Idee! Ha, ihr Spinnen, Schlangen und Skorpione, mit mir läuft das hier nicht! Im Zelt liege ich kerzengerade im Bett. Das Moskitonetz umhüllt mich wie ein Leichentuch. Die afrikanische Nacht ist nicht leise. Sie ist ohrenbetäubend:
•    Huuu-uuu (Hyänen, die über meine Lebensversicherung lachen).
•    Knack (Ein Elefant, der den Baum neben meinem Zelt fressen möchte).
•    Zisch (Keine Ahnung, aber es war definitiv giftig).

Ich schlafe keine Sekunde und spiele jedes noch so wilde Angriffs-Szenario gedanklich durch. Würde ein Löwe oder eine Hyäne mich überhaupt schmackhaft finden? Würden Sie mich verschleppen oder gleich mit einem Biss erledigen? Fragen über Fragen...

Ein Monster im Bad, ein neuer Tag, eine neue Safari
Mitten in der Nacht klingelt der Wecker – können die Tiere nicht auch mal ausschlafen?! Etwas benommen sage ich mir: Okay, Du musst es zum Waschbecken schaffen, um wenigstens Deine Zähne zu putzen. Also schlurfe ich hinüber und dann passierte es:

Ich wollte mir gerade Gesicht waschen, als ich sie sah. Sie saß über dem Spiegel. Eine Spinne. Nun muss man wissen: Das war keine normale Spinne. Das war ein Achtbeiner mit eigener Postleitzahl. In meinem Kopf war es eine giftige Riesen-Krabbenspinne, die darauf wartete, in mein Gesicht zu springen. In der Realität war sie wahrscheinlich nicht einmal so groß wie ein Handteller, aber für einen bleichen Safari-Neuling wie mich wirkte sie wie ein mutierter CGI-Effekt aus einem Horrorfilm.

Mein erster Impuls: Schreiend wegrennen. Mein zweiter Impuls (der Klischee-Instinkt): Ich bin in Afrika! Alles hier will mich töten! Das ist das Ende.
Ich schlich rückwärts aus dem Bad, bewaffnet mit einer Tube Sonnencreme (LSF 50, schützt sicher auch vor Bissen). „Da ist ein Monster im Bad“, flüsterte ich mit der Atemtechnik eines traumatisierten Elitesoldaten vor mich hin. Jeder hätte jetzt gefragt: „Ein Löwe?“ Aber nein, für mich war es schlimmer. Eine Spinne. Sie hat mich gemustert. Sie plant etwas…

Was sollte ich tun? Ignorieren? Unmöglich, das Bad gehörte jetzt ihr. Den Guide rufen? Zu peinlich. „Entschuldigung, Herr Ranger, Sie haben heute Morgen zwar ein Nashorn-Heckenschützen-Kommando abgewehrt, aber könnten Sie bitte mein Waschbecken evakuieren?“ Kommt nicht in Frage. Die Würde stirbt zuletzt.

Also nahm ich meinen Mut zusammen. Ich rollte eine Safaribeilage-Broschüre zusammen, schlich zurück und fixierte das Ziel. Die Spinne bewegte sich keinen Millimeter. Sie saß einfach da und strahlte diese absolute, afrikanische Gelassenheit aus, die mir völlig abging. Wahrscheinlich dachte sie sich: „Schon wieder so ein Tourist in Funktionskleidung. Hoffentlich fängt er nicht an zu weinen.“
Ich hob die Broschüre. Ich holte aus. In diesem Moment knackte draußen im Gebüsch ein Ast. Ein Vogel rief. Ich erschrak so heftig, dass ich die Broschüre ins Waschbecken fallen ließ und aus dem Badezimmer türmte. Dann rannte ich los zum Frühstückszelt. Und was für ein Zufall: Beim Frühstück erzählte unser Guide Themba beiläufig, dass es hier Spinnen gibt, diese aber völlig harmlos sind und sogar die lästigen Mücken fressen. Ich nickte wissend. „Ja, natürlich. Ich habe gerade auch kurz im Bad mit einer meditiert. Tolle Tiere, machen mir überhaupt nichts aus.“

Wir klettern in den offenen Geländewagen. Decken werden ausgeteilt. Ich fühle mich wie eine Frostbeule auf Rädern. Unser Guide, Themba sieht aus, als könnte er einen Leoparden mit bloßen Händen erwürgen, während er fehlerfrei die Paarungsrufe der Perlhühner imitiert. Er deutet auf einen Haufen Dreck.„Seht mal, Nashorn-Dung. Etwa zwei Stunden alt.“ Alle nicken ehrfürchtig. Wir starren fünf Minuten lang auf Kot. Das ist er also, der Zauber Afrikas.

Plötzlich Aufregung. Ein Funkspruch knackt. Themba gibt Gas. Der Jeep fliegt durch den Busch. Wir halten abrupt. Da sind sie: Drei Löwen. Sie tun das, was Löwen am besten können: Schlafen. Sie bewegen sich keinen Millimeter. Ich mache wieder mindestens 45 Fotos von einer schlafenden Raubkatze, die aus der Ferne aussieht wie ein beige-gelber Sack Zement. Ein Tourist aus Texas beschwert sich, dass der Löwe nicht brüllt. Themba lächelt höflich. Ich glaube, er stellt sich gerade vor, wie er den Texaner als Köder auswirft.

Und so gingen die Tage dahin...
Meine erste Reise nach Afrika, meine erste Safari – all das, nein, Afrika, hat mich verändert. Insbesondere die Tierwelt hat mich nicht nur beeindruckt, sondern auch meine Sinne geschärft und meinen Respekt sensibilisiert. Im Busch ist man nur ein kleiner, unbedeutender Gast. Die Könige sind die Tiere. Menschlich habe ich nicht nur über mich viel gelernt. Besonders interessant fand ich die unterschiedlichen Safaritypen, die mir begegnet sind (rückblickend gehörte ich damals zu erstem und letzterem):

Der „Wüstenfuchs“ (Der wandelnde Outdoor-Katalog)
Diesen Typen erkennt man sofort am Knistern an der Kleidung. Er hat sich drei Wochen vor der Reise komplett bei einem namhaften Trekking-Ausrüster neu
eingekleidet.

  • Das Outfit: Zipp-Off-Hosen in Khaki, ein Tropenhemd mit integriertem Mückenschutz und ein typischer Safari-Hut mit Kinnband. Er reist mit unglaublich schwerem Koffer, hat vom Klebeband bis hin zum Klappspaten einfach alles für alle Eventualitäten dabei
  • Das Verhalten: Er verhält sich so, als müsste er jeden Moment das Camp gegen Löwen verteidigen. Er checkt ständig seinen Kompass auf der Smartwatch, ignoriert dabei aber völlig, dass er in einem klimatisierten Toyota Land Cruiser mit Ledersitzen und Wlan sitzt.

Die „Influencerin“ (Das Glamour-Opfer)
Für sie ist die Wildnis kein Ökosystem, sondern eine Fotokulisse. Dass eine Safari aus Staub, Geduld haben, Durchgeschüttelt werden und sehr frühem Aufstehen besteht, stand anscheinend nicht in ihrem Reiseführer.

  • Das Outfit: Ein wehendes, weißes Leinenkleid (das nach zehn Minuten hellbraun vom Staub ist) und modische Sandalen, die für die Wildnis absolut ungeeignet sind. Das Kosmetiktäschchen stets griffbereit.
  • Das Verhalten: Sie blockiert die beste Aussicht im Auto für das perfekte Selfie mit einer Giraffe im Hintergrund. Wenn die Giraffe nicht kooperiert oder das Licht schlecht ist, sinkt die Urlaubsstimmung dramatisch. Ihr größter Feind ist nicht der Leopard oder andere wilde Tiere, sondern das Funkloch

Der „Megapixel-Diktator“ (Der Hobby-National-Geographic-Fotograf)
Er ist nicht hier, um Tiere zu sehen. Er ist hier, um Pixel zu sammeln. Seine Ausrüstung wiegt mehr als das Handgepäck aller anderen Passagiere zusammen.

  • Das Outfit: Eine Weste mit mindestens 42 Taschen, in denen von der Ersatzbatterie bis zum Spezialobjektiv alles griffbereit steckt.
  • Das Verhalten: Sobald ein Tier gesichtet wird, rattert seine Kamera im Dauerfeuer los wie ein Maschinengewehr. „Ruhe bitte, ich brauche den Fokus!“, zischt er, wenn jemand atmet. Zuhause wird er 14.000 Fotos von braunen Punkten im Gebüsch besitzen, die er stolz als „löwennahe Aufnahmen“ präsentiert.

Der „Alles-Kenner“ (oder auch: einer unserer Millionen deutschen Bundestrainer)
Er hat vor der Reise drei Dokumentationen geschaut und ein Buch gelesen. Jetzt ist er der ungekrönte König des Busches – sehr zum Leidwesen des echten, einheimischen Guides.

  • Die Optik: Unauffällig, aber mit einem permanenten, wissenden Lächeln im Gesicht.
  • Das Verhalten: Wenn der Guide erklärt: „Das ist eine Gazelle“, korrigiert er sofort: „Eine Thomson-Gazelle, um genau zu sein. Man erkennt sie am schwarzen Seitenstreifen. Die Brunftzeit beginnt übrigens im...“ Der Guide nickt nur noch müde und hofft insgeheim, dass der Besserwisser beim nächsten Stopp vergisst, die Autotür zu schließen.

Der „Paniker“ (Der chronisch Besorgte)
Für ihn ist Afrika ein einziger, tödlicher Risikofaktor. Er ist fest davon überzeugt, dass überall Gefahren und Krankheiten lauern, jedes Insekt giftig ist und jeder Busch eine Puffotter beherbergt.

  • Das Outfit: Langärmelig trotz 35 Grad im Schatten. Die Haut schimmert weißlich von einer dreifachen Schicht Sonnencreme, überlagert von einer Wolke aus hochkonzentriertem Anti-Mücken-Spray, die den gesamten Bus betäubt. Trägt permanent Kappe und Safarihut.
  • Das Verhalten: Beim leisesten Knacken im Unterholz springt er auf den Sitz. Er fragt den Guide alle fünf Minuten, ob die Fensterscheiben auch wirklich „löwensicher“ sind und trinkt Wasser nur aus originalversiegelten Flaschen, die er vorher mit einem Desinfektionstuch abgewischt hat. Er sichert alle Türen und Reissverschlüsse dreifach, trägt sämtliches Geld, Karten und alle Wertsachen im Geldgürtel, in unter der Kleidung verborgenen Brustbeuteln und in den Schuhen. Bewegt er sich unter Menschen, schaut er ständig in alle Richtungen, immer auf der Hut, begleitet von ständigem Händewaschen und im Rucksack eine riesige Flasche Desinfektionsmittel.

Das kuriose dabei ist: Am Ende der Reise sitzen alle zusammen am Lagerfeuer. Der Wüstenfuchs klopft dem Paniker auf die Schulter, die Influencerin postet ihr einziges scharfes Bild und der Fotograf löscht die ersten 2.000 unscharfen Fotos. Die erste Safari schweißt eben zusammen – egal, aus welchem Klischee man geschnitzt ist.

Die unerwartete Herzlichkeit: Man lernt schnell, dass die Kultur vieler afrikanischer Gesellschaften von einem tiefen Gemeinschaftssinn („Ubuntu“) und einer warmherzigen Gastfreundschaft geprägt ist, die man so intensiv selten erlebt.

Die alltägliche Normalität: Statt Chaos und überall Lehmhütten findet man funktionierende Infrastrukturen, gut ausgebaute Supermärkte, hervorragenden Kaffee und einen ganz normalen Alltag der Menschen vor Ort. Städte wie Johannesburg oder Kapstadt besitzen futuristische Skylines, ein pulsierendes Nachtleben, international anerkannte Kunstszenen und exzellentes Design.

Technologischer Fortschritt: Digitales Bezahlen (Mobile Payment) und ultraschnelles Glasfaser-Internet sind in vielen Regionen oft flächendeckender normal als in Teilen Westeuropas.

Die eigene, blinde Brille: Der größte Lernprozess ist die Erkenntnis, wie stark das eigene Weltbild durch die oftmals einseitige Berichterstattung in den Medien verzerrt wird.

Heute reise ich mit minimalem Gepäck - ich kann ja unterwegs waschen lassen. Auf alles, was unbekannt ist, lasse mich voll und ganz ein und
sehe vieles furchtloser und differenzierter. Angst vor Spinnen? Nein, mittlerweile stören Sie mich nicht mehr, wenn Sie irgendwo im Zimmer an der Wand sitzt. Schlangen und insbesondere Puffottern sind mir in 11 Jahren nicht begegnet. Die Pirschfahrten können nicht wild genug sein und es gibt nichts spannenderes, als die Hyäne vor der Tür zu beobachten oder auch mal zu Fuß durch den Busch zu wandern. Südafrika ist sogar zur zweiten Heimat meines Mannes und mir geworden. Kurz gesagt: Ich liebe Afrika!